Der Kollaboration gehört die Zukunft

Cloud und Kollaboration sind die Pfeiler, auf denen die Praxisinformationssysteme der Zukunft aufbauen. Ganzheitliche Betreuung ist nur gemeinsam möglich – mit anderen Fachpersonen und mit dem Patienten.

Als in den 1990er Jahren die alte DOS-Welt von Windows abgelöst wurde, war das ein grundlegender Technologiewandel. Vergleichbares passiert heute bei den Praxisinformationssystemen (PIS). Ärzte und Therapeuten setzen zunehmend auf webbasierte Lösungen als Software as a Service aus der Cloud. Die Vorzüge sind vielfältig: ortsunabhängiger Zugriff, automatische Updates, kein Aufwand mit Datensicherung und Aktualisierung von Katalogen oder Medikamentenstammdaten. Und die besonders schützenswerten Patientendaten befinden sich datenschutzkonform in einem hochsicheren Rechenzentrum.

Anforderungen verändern sich
Mit dem Umstieg auf die Cloud-Technologie ist die Weiterentwicklung heutiger PIS aber nicht abgeschlossen. Sie fängt erst an. Die Anforderungen an entsprechende Lösungen wandeln sich stark und nehmen zu. Das ist nicht zuletzt eine Folge der sich verändernden Organisationsformen im ambulanten Sektor. Gesundheitszentren der Zukunft werden aus Ärzten verschiedener Fachrichtungen, Praxisassistentinnen, Apothekern, Gesundheitsfachpersonen aus Pflege, Spitex und Ernährungsberatung sowie Hebammen, Case Manager und anderen bestehen. Jeder Betreuende benötigt seine eigene Sicht auf die medizinischen Daten des Patienten und eine gemeinsame Sicht auf die betreuungsrelevanten Informationen.

Kollaboration stärken
Das PIS von morgen ermöglicht daher die Steuerung des gesamten Behandlungspfades eines Patienten. Es erleichtert die Zusammenarbeit von Gesundheitsfachpersonen gleicher und verschiedener Berufsgruppen innerhalb der Praxis und unternehmensübergreifend. Es ermöglicht berechtigten Personen den externen Zugriff auf ausgewählte medizinische Information aus der Krankengeschichte oder das gemeinsame Führen der betreuungsrelevanten medizinischen Daten (Shared Medical Record). Nicht zuletzt wird es die Abbildung von alternativen Versicherungsmodellen und integrierter Versorgung (Managed Care) erlauben.

Behandlung und Produktivität verbessern
Das PIS der nächsten Generation wird die Behandelnden auch in ihrem medizinischen Handwerk unterstützen (Medical Engineering) und damit zu einer Qualitätssteigerung beitragen. Es wird integrierte Guidelines und Best-Practice beinhalten, Monitoring zum Beispiel von Diabetes oder Hypertonie erlauben, Clinical Decision Support bieten oder Prävention ermöglichen – etwa durch Früherkennung auf Basis der medizinischen Dokumentation.

Schliesslich muss das PIS – heute und in Zukunft – Prozessoptimierungen und die Steigerung der Effizienz ermöglichen. Stichworte sind hier automatisiertes Abrechnen, Spracherkennung, Checklisten oder Ressourcenplanung und -optimierung. All das und vieles mehr erlaubt es Praxen, ihre Produktivität zu erhöhen. Davon haben nicht nur Ärztinnen, Therapeuten und Praxisassistentinnen etwas. Von digitalen Tools der nächsten Generation profitieren nicht zuletzt auch die Patientinnen und Patienten.

Dieser Beitrag von Jean-Pierre Messerli ist erstmals im Fachmagazin «IT for Health» 2/2019 erschienen. Messerli ist ausgebildeter Arzt und Medizininformatiker und treibt bei Swisscom Health die Weiterentwicklung des Praxisinformationssystems curaMED voran – stets mit dem Blick für die Bedürfnisse von Ärzten und Praxismitarbeitenden.