EPD: In Versorgungsregionen denken

Die Basis für das elektronische Patientendossier (EPD) bilden technisch gesehen so genannte IHE Affinity Domains, die von Gemeinschaften und Stammgemeinschaften betrieben werden. Bei deren Ausgestaltung sollten die Versorgungsprozesse und maximale Effizienzgewinne im Vordergrund stehen.

Schon bald werden Arztpraxen, Spitäler, Apotheken und andere Akteure im Gesundheitswesen über das EPD Informationen zu einem Patienten austauschen. Dies bedingt jedoch, dass sie zu einer EPD-Gemeinschaft oder -Stammgemeinschaft gehören – also einem durch das Bundesamt für Gesundheit zertifizierten Zusammenschluss von Gesundheitsfachpersonen und deren Einrichtungen. Diese Gemeinschaften stellen sicher, dass Daten über das EPD jederzeit für Patienten oder Fachpersonen mit entsprechenden Zugriffsrechten zugänglich sind – und jeder Zugriff auch protokolliert wird.

Die Stammgemeinschaft bietet zusätzliche Leistungen. So können Patientinnen und Patienten bei ihr ein EPD eröffnen. Und die Stammgemeinschaft übernimmt sämtliche mit dem Unterhalt des Dossiers verbundenen administrativen Aufgaben, etwa die Aufbewahrung der schriftlichen Einverständniserklärung oder die Verwaltung der Zugriffsberechtigungen.

Rund ein Dutzend Gemeinschaften
Bisher wurde in einigen Kantonen und von zwei Berufsorganisationen die Absicht geäussert, eine EPD-Gemeinschaft aufzubauen. Die Koordinationsstelle eHealth Suisse geht davon aus, dass es schweizweit am Ende wohl zwischen zehn und zwölf Gemeinschaften geben wird. Bis Mitte 2018 erwartet sie, dass mindestens zwei Gemeinschaften zertifiziert sind.

Dabei wird die XAD-Stammgemeinschaft der beiden Kantone Zürich und Bern mit Blick auf das Einzugsgebiet wohl die grösste sein. Rund 2.5 Millionen Menschen wohnen in den beiden Kantonen. Sie werden davon profitieren, dass alle ihre Leistungserbringer über eine eHealth-Plattform EPD-Informationen austauschen können. Die Leistungserbringer ihrerseits profitieren davon, dass diese Plattform nicht nur die minimalen Kriterien für einen Datenaustausch fürs EPD erfüllt. Sie erlaubt es darüber hinaus, Alltagsprozesse wie Terminvereinbarung, Überweisung oder Medikation digital und damit viel effizienter als heute abzuwickeln.

Viele Teilnehmer + wenig Schnittstellen = mehr Effizienz
«Die Ausrichtung von EPD-Gemeinschaften entlang von Versorgungsregionen bildet den Alltag ab, in dem Leistungserbringer und Patienten heute und künftig agieren», sagt Thomas Zurkinden, Gesamtprojektleiter von Swisscom Health für das EPD des Kanton Zürichs. «Schliessen sich möglichst viele Leistungserbringer einer Versorgungsregion einer solchen Gemeinschaft an, ermöglicht das den meisten Nutzen.» Wenn Ärzte, Spitäler, Apotheken Spitex, Therapeuten, Labors, Röntgeninstitute und Reha-Kliniken in einer Gemeinschaft die gleiche Technologie verwenden, fallen viele Schnittstellen weg. Das macht alles einfacher und günstiger.

Wer Nutzen schafft, profitiert
Wenn möglichst alle Leistungserbringer einer Versorgungsregion ein und dieselbe eHealth-Plattform nutzen, stellt das auch die Kostenfrage plötzlich in ein ganz anderes Licht. Unter diesen Akteuren gibt es nämlich Bedürfnisse, die sich ideal ergänzen. Ein Spital etwa ist aus Effizienzgründen sehr an der elektronischen Zuweisung von Patienten interessiert – und wird für diesen Service auch etwas bezahlen. Ein Hausarzt wiederum könnte Pateinten elektronisch zuweisen, müsste dafür aber zuerst in entsprechende technische Möglichkeiten investieren. «Diese unterschiedlichen Interessen und Möglichkeiten fliessen idealerweise ins Pricing für die Services einer eHealth-Plattform ein», sagt Thomas Zurkinden. Will heissen: Ein Service, der Nutzen schafft (also etwa für die eZuweisung) wird vom Nutzniesser (dem Spital) finanziert. Wer den Nutzen schafft (also der Hausarzt mit seiner eZuweisung) bekommt den Service gratis zur Verfügung gestellt oder wird gar dafür incentiviert.

Service-Plattform statt Insellösungen
Reiht man nun einen derartigen Service neben den anderen, ergibt das ein Portfolio von nutzbringenden Diensten, die über eine gemeinsame Plattform bezogen werden können. Effizienzgewinne und Skaleneffekte werden nur dann Realität, wenn möglichst viele und unterschiedliche Akteure einer Versorgungsregion an dieser Plattform partizipieren. «An die Stelle vieler teurer Einzellösungen mit zahlreichen Schnittstellen tritt dann eine Gemeinschaft, in der alle Leistungserbringergruppen höchst effizient auf einer einzigen technologischen Basis miteinander arbeiten», bringt es Zurkinden auf den Punkt.

 

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